RUZICA ZAJEC    

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Hinter den Spiegeln

Spiegel sind dienstbare Geister. Bereitwillig reflektieren sie alles, was in ihr Gesichtsfeld gerät. Ihr Dasein ist nützlich und von begrenzter Notwendigkeit und doch auf seltsame Weise vielschichtig. Hinter den Spiegel zu treten und eine neue Dimension zu entdecken, ist eine Vorstellung, die nicht nur die kindliche Phantasie beschäftigt. Spiegelt man Spiegel ineinander, so entsteht eine unendliche Reihung, ein Sinnbild des sich grenzenlos ausdehnenden Raums. Ruzica Zajec arbeitet, in formal strenger Geometrisierung, mit dem Spiegelmotiv und emanzipiert es aus seiner untergeordneten Funktion. Verborgen unter Schichten aus farbig gefaßten Glasscheiben, in Objektkästen schimmernd, versteckt und überlagert, verweigert der Spiegel seine ihm abverlangte Aufgabe. Nun wird er selbst zum eigenwilligen Gegenpart des Betrachters. Er ist das Auge, daß blicklos nach außen sieht, ein nicht mehr reagierendes, sondern agierendes Element mit Anspruch auf Autonomie. Exaktheit und Verzerrung, Wahrheit und Lüge des Spiegels verlieren sich in seiner Selbstreflexivität. Der Betrachter fühlt sich alleingelassen. Ihm scheint sein Ebenbild entzogen und in die Tiefen des Objekts verbannt. Das Spiel mit der Identität, das Ruzica Zajec so ästhetisch perfekt spielt, enthält den durchaus beklemmenden Aspekt des möglichen Selbstverlustes.

Dr.Beatrix Nobis


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