RUZICA ZAJEC    

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Gegenwart

Ruzica Zajec sprengt mit ihren Arbeiten die dritte Dimension. Sie erfordern vom Betrachter nicht nur ein Betreten des künstlerischen Raums, sondern ein bewusstes Agieren mit diesem. Konsequent verwendet die Künstlerin transparente, durchscheinende oder spiegelnde Materialien wie Glas, Cellophan oder Transparentpapier, die mehrere Ebenen der Wahrnehmung erlauben. Spielt sie zwar mit Interferenzen und optischen Täuschungen in der Tradition der Op-Art, so ist sie jedoch am bloßen Effekt der Irritation nicht interessiert. Visuelle Irritation ist immer direkt mit der eigenen künstlerisch epistemischen Positionierung sowie der Interaktion mit dem Betrachter verbunden. Dieser Austausch erfolgt nicht nur in räumlichem Zusammenhang sondern auch in kontextuellem, emotionalem und zeitlichem. Ruzica Zajec steht insofern Künstlern wie Olafur Elliasson oder François Morellet näher als den Protagonisten der Op-Art. Licht und Bewegung im Raum sind dabei zentrale Elemente ihrer Formsprache.

Fragiles Glas oder andere durchsichtige Materialien kontrastieren mit einer reduzierten Farbpalette von opakem Weiß, Schwarz, Blau, Grün und Rot. Die Arbeit Brise aus dem Jahr 2014 zeigt wellenförmig strukturierte, schwarze Noppen auf einer spiegelnden Glasfläche, die sich optisch von diesem Untergrund zu lösen scheinen und eine neuen virtuellen Raum öffnen. Der Betrachter sieht sich selbst und den realen Raum im Trägermaterial gespiegelt, außerdem nimmt er durch das Glas die Struktur der Wand darunter wahr. In seiner Bewegung und im sich wandelnden Licht fallen die schwarzen Punkte nun wie eine Brise über ihn und geben eine weitere, nicht räumliche sondern sensorische und kontextuelle Dimension frei.

In ihren neueren Werken wählt die gebürtige Kroatin feinsinnig deutschsprachige Titel aus, die subtil den eigentlichen Wortsinn definieren und eine kontextuelle Ebene öffnen: In der Arbeit Verzeihe mir lassen feine, in den textilen Untergrund gestochene Metallnadeln physischen Schmerz gewahr werden. Die Fotomontage Einfluss zeigt nicht nur den wörtlichen Sinn, in dem Wasser in einen Fluss einfließt, sondern auch den metaphorischen: mittels vieler kleiner Wassermengen kann und sollte Einfluss ausgeübt werden.

Ein zentrales Werk im Schaffen der Künstlerin ist die Arbeit Berührung aus dem Jahre 2003: Eine weiße Hand greift in einem gläsernen, zur Hälfte mit Wasser gefüllten Kasten durch die Wasseroberfläche, dabei wandelt sich ihre weiße, eintauchende Haut in schwarze. Leitmotive in Ruzica Zajecs Oeuvre sind das Durchdringen eines neuen Mediums, der Prozess des kontinuierlichen Wandels und der Fakt, das „nichts ist, wie es scheint“. Derzeit ist Zeit eine Dimension, die zunehmend in das Gesichtsfeld der Künstlerin rückt mit Arbeiten wie Seit Jahren, und die „Gegenwart“ an sich relativ werden lässt.

Claudia Schönfeld

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